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Firmenprofil

Die Geschichte von Gleason-Hurth

Im Juli 1995 wird die Carl Hurth Maschinen and Zahnradfabrik von Gleason Corporation erworben. Wie die Gleason Works wurde auch Hurth vor über 100 Jahren gegründet und hat eine reichhaltige Geschichte und Wurzeln. Verbindungen zwischen den beiden Firmen gehen bis zu 1930 zurück, als Carl Hurth Gleasons Leistungen im Bereich der Kegelradmaschinen bemerkt und sogar einige seiner Mitarbeiter 1938 zu einem Besuch des University Avenue-Werks schickt.

Die folgenden Aufzeichnungen entstammen einer Geschichte der Carl Hurth Maschinen and Zahnradfabrik, verfasst von Otto Rogg, einem talentierten Designer, der seine eigenen Spuren im Maschinenbau von Hurth bis weit in die 60-er Jahre hinterlassen hat. Als seinen Beitrag zu den Feiern des 100sten Gründungstags von Hurth hat Otto Rogg seine Erinnerungen an das Unternehmen 1996 handschriftlich festgehalten.

Carl Hurth wird am 6. April 1866 in der Nähe von Stuttgart geboren. Er ist das zweitälteste Kind von 5 Söhnen und einer Tochter. Sein Vater arbeitete in der Textilindustrie und seine Mutter kam aus einer Fischerei- und Speditionsfamilie. Als Carl erst 12 Jahre alt ist, stirbt seine Mutter tragisch, als sie einem Nachbarn helfen will, ein Pferd einzuspannen. Nach ihrem Tod plant Carls Vater, ein strenger und zielbewusster Erzieher, Carls Zukunft sehr sorgsam und methodisch.

Im Alter von 14 Jahren schließt Carl die Schule ab und wird von seinem Vater nach Esslingen gebracht, wo er eine Lehre an der Handwerksschule absolvieren soll, an der Dampfmaschinen, Hydraulikflüssigkeitsbehälter und Getriebe hergestellt werden. Glücklicherweise entspricht diese Entscheidung Carls Wünschen einer Zukunft als Kupferschmied, Uhrmacher oder Mechaniker. Nach Abschluss seiner Lehre tritt Carl eine Stelle in der Maschinenfabrik von Eberhardt und Söhnen in Ulm an.

 

Von hier geht er nach München und arbeitet fast 5 Jahre lang an einer Drehbank. Neben seiner Arbeit in München geht Carl zur Abendschule für Technisches Zeichnen an der Volkshochschule in Rosental. Die Berechnung und das Zeichnen von Zahnrädern beginnen ihn zu faszinieren. Als er fühlt, dass er in München genug gesehen und gelernt hat, geht er, mit dem Segen seines Arbeitgebers, 1889 nach Sachsen. Sein Ziel ist, eine Stelle bei F. E. Reinecker (Chemnitz) zu finden, damals einer führenden Firma in der europäischen Werkzeugmaschinenindustrie. Sie stellt Zahnradbearbeitungs- und andere Maschinen her. Dort arbeitet Carl lediglich als Schlosser, aber seine Arbeitserfahrungen zu dieser Zeit sind für seinen späteren Laufweg von hoher Bedeutung. Von Chemnitz geht er nach Dresden und Berlin, dann kehrt er nach München zurück.

1890 kehrt Carl zum zweiten und letzten Mal nach München zurück. Kurz nach seiner Ankunft heiratet er Dorothea Laichinger, die Schwester eines Werkzeugmaschinenherstellers, Ludwig Laichinger. Er arbeitet in Laichingers Betrieb, der Zinn-Gussformen für Bierkrüge, Weintrophäen und Zinnteller herstellt. Es liegt an Carls Wesen, immer nach besseren Arbeit- bzw. Verfahrensmethoden zu suchen. Er bemüht sich ständig, den Herstellungsprozess zu verbessern. Sein Schwager verfolgt jedoch nicht die gleiche Philosophie.

Aus diesem Grund verlässt er 1896 das Geschäft seines Schwagers und gründet seine eigene Firma in einem Nachbargebäude. Das ist die Geburt der Maschinen- und Zahnradfabrik Carl Hurth. Mit einem Auszubildenden baut Carl Hurth eine kleine Werkstatt im 1. Stock des Gebäudes neben der Firma seines Schwagers auf. Sein Maschineninventar besteht aus einer kleinen Drehbank, die über einen Fußhebel betrieben wird, sowie aus einer Tischbohrmaschine mit Handantrieb. Wenn er große Aufträge auf der kleinen Drehbank ausführen muss, reicht seine Kraft nicht aus und der Auszubildende muss ihm beim Drücken des Hebels helfen. Diese historische Maschine ist immer noch im Besitz der Firma.

 

Die Firma wächst und gedeiht unter Carls Leitung. Carls Geschwindigkeit wird zur Legende. Sie wird als "Hurths Tempo" bekannt. Kein Tag ist je lang genug. Jede Minute wird voll ausgenutzt. Der Raum ist mit Maschinen und Schraubstöcken buchstäblich vollgestopft. So viel Inventar ist in den Räumen, dass sich die Angestellten an den Maschinen und Schraubstöcken vorbei zwängen müssen. Um nicht auch nur eine Minute zu verschwenden, muss jeder Mitarbeiter, von Auszubildenden bis zu Meistern, bei der Rückkehr von der Mittagspause ein Stück im Hof angeliefertes Rohmaterial nach oben tragen, damit auch ja keine Materialengpässe entstehen.

1903 nimmt Carls Faszination mit Zahnrädern überhand und er stellt sein erstes Zahnrad her. Seine Firma beginnt nun, sich auf die Zahnradproduktion zu spezialisieren. 1911 entwickelt das Unternehmen die erste Kegelrad-Wälzfräsmaschine und Carl ist erfolgreich genug, die Werkstatt schließlich kaufen zu können.


Am Anfang des 1. Weltkriegs ziehen Carl und seine 50-köpfige Belegschaft in ein größeres und modernes Werk um. Sie stellen Zahnräder und andere Teile für Kraftfahrzeuge her. Während des Krieges wächst die Belegschaft zu 500 Mitarbeitern an.

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In den 1920-er Jahren wird unter der Leitung von Carls ältestem Sohn, Hans Hurth, mit der Produktion von Motorradgetrieben begonnen und dies mit einem solchen Erfolg, dass die Firma auf 800 Mitarbeiter anwächst.

1935 wird mit der Entwicklung der Schabtechnologie begonnen. Drei Jahre später wird der erste Zahnradschaber ausgeliefert. Das Hauptaugenmerk bleibt auf der Zahnradherstellung und 1950 werden Zahnradschabmaschinen ins Angebot übernommen. Im gleichen Jahr zieht die Firma in ein größeres Werk um und das Geschäft blüht in den 1950-er und 60-er Jahren. 1969 hat das Unternehmen 3000 Mitarbeiter.

 

Im Alter von 93 Jahren stirbt Carl Hurth 1958. Seine drei Söhne und eine Tochter übernehmen die Leitung der Firma.

1975 arbeiten 2500 Mitarbeiter in der Firma. Der Erfolg wird mit der Lizenzerteilung für Schabräder an Kobe Steel in Japan und eine Erweiterung der Schabradproduktion in Brasilien fortgesetzt. In den frühen 80-er Jahren wird auch die Auslieferung der 100 000sten Zahnradschabmaschine gefeiert. In dieser Zeit zieht die Firma zum heutigen Standort in der Moosacher Straße um und wird in die folgenden drei Teile aufgegliedert: Getriebe und Zahnräder, Maschinen und Werkzeuge.

In den späten 80-er Jahren verschlechtert sich das Geschäft und die Leitung der Firma wird Fritz Carl Anton Hurth übertragen, einem Enkel des Gründers. Fritz Hurth übernimmt 1990 offiziell die Zügel. Die Belegschaft wird auf 1200 reduziert. 1995 wird entschieden, dass es im besten Interesse des Unternehmens wäre, wenn es von Gleason Corporation aufgekauft würde. Diese strategische Entscheidung zahlt sich aus. Durch den Zusammenschluss wird Gleasons Produktreihe an Zylinderradprodukten abgerundet und 1996 und 1997 ein bedeutender Zuwachs in Umsatz und Betriebsgewinnen erzielt. Das nächste Kapitel bleibt noch zu schreiben, aber die Zukunft sieht positiv aus. Die Vereinigung von Gleason und Hurth hat zu einem stärkeren, agileren und diversifizierten Unternehmen geführt, das besser gewappnet ist, die Welt in Bewegung zu halten, wie es dem Firmenmotto entspricht: Keeping the World in Motion.

 

 

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